27.2.2026 Michaela Handler-Hollaus
Als Donald Trump die US-Eishockeynationalmannschaft der Frauen (Gold Olympia 19.2.2026) erst im Zuge der Goldmedaille der Herren ins Weiße Haus einlud und die Frauen die Einladung ablehnten, war das mehr als eine protokollarische Fußnote. Es war ein politisches und gesellschaftliches Statement, das weit über den Moment hinausgeht. Denn es berührt ein Grundproblem im Sport: Wie weibliche Athletinnen wahrgenommen, bewertet und allzu oft auf ihr Äußeres reduziert werden und auch wir Beachvolleyballer:innen sollten endlich daraus lernen! Warum?
Mehr als ein Fototermin
Ein Besuch im Weißen Haus gilt als Ehrung sportlicher Höchstleistungen. Wenn ein Team diese Einladung ausschlägt, sendet es damit ein gewichtiges Signal. Die Spielerinnen machten deutlich, dass sportlicher Erfolg nicht losgelöst von gesellschaftlichen Werten betrachtet werden kann. Gerade im Kontext einer politischen Rhetorik, die wiederholt wegen sexistischer Äußerungen kritisiert wurde, war die Entscheidung der Eishockeydamen ein Akt der Selbstpositionierung. Der Kern der Debatte reicht dabei noch tiefer: Es geht um Respekt, Gleichberechtigung und darum, wer im Sport welche Deutungshoheit besitzt.
Spielfeld oder Schaufenster? Po Close-ups und die Reduktion auf Äußerlichkeiten
Ein besonders sichtbares Beispiel für die Objektifizierung weiblicher Athletinnen ist leider nach wie vor vor allem auch der Beachvolleyballsport. Seit Jahren wird darüber diskutiert, warum Sportlerinnen bei Turnieren in knapper Sportkleidung antreten mussten, während männliche Kollegen deutlich funktionalere und weniger freizügige Outfits tragen. Natürlich argumentieren Gremien häufig mit „Bewegungsfreiheit“ oder „Tradition“. Doch die Bildsprache vieler Übertragungen – etwa mit gezielten Nahaufnahmen und dem Fokus auf Körper statt Leistung – spricht eine andere Sprache. Weibliche Athletinnen werden nicht nur als Sportlerinnen inszeniert, sondern als visuelle Attraktionen. Ihr Körper wird zur Bühne, ihre Leistung zum Beiwerk. Diese Logik ist kein Zufall, sondern Teil eines Systems, das Frauen im Sport oft in eine doppelte Rolle zwingt: Sie sollen erfolgreich sein, aber bitte auch markttauglich, attraktiv, konsumierbar. Und dieser Umgang stellt so einiges an…
Die fatalen Folgen
Die Reduktion auf Äußerlichkeiten hat konkrete Konsequenzen:
- Ungleiche Bezahlung: Sponsoring-Deals und Medienaufmerksamkeit orientieren sich häufig stärker an Vermarktbarkeit als an sportlicher Leistung.
- Psychischer Druck: Junge Athletinnen wachsen mit der Botschaft auf, dass ihr Körper genauso bewertet wird wie ihre sportliche Performance. Leider kenne ich nach mehr als 20 Jahre in diesem Sport viele Beispiele von Athletinnen, die genau das zum Grund für ihr Drop Out machten.
- Verzerrte Wahrnehmung: Zuschauer:innen lernen unbewusst, Frauen im Sport anders zu betrachten, und zwar weniger als leistungsorientierte Profis, mehr als ästhetische Objekte.
Ein Kommentar neben mir (!) beim Innsbruck Beachevent lautete zum Beispeil: „Die Männer sind richtig gut, aber die Frauen schaue ich mir trotzdem lieber an.“ Die widerwärtige Lache dazu darf sich jeder selbst vorstellen. Nach einem 2:0 Sieg gegen die späteren Siegerinnen schmerzt so etwas umso mehr. Und nicht nur das: Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass jungen Spielerinnen teils sogar geraten wird, sich möglichst knapp zu kleiden, um möglichst gute Sponsorenverträge abzustauben. Und wieder schlägt all das in die gleiche Kerbe. Diese Dynamik verstärkt bestehende Machtstrukturen. Wer nicht dem gängigen Schönheitsideal entspricht oder sich der sexualisierten Darstellung entzieht, riskiert geringere Sichtbarkeit und damit weniger Förderung. Von abfälligen Kommentaren und schiefen Blicken kaum zu sprechen.
Ein Akt der Selbstbehauptung
Vor den genannten Hintergründen bekommt die Ablehnung der Einladung ins Weiße Haus eine zusätzliche Dimension. Sie kann als Zeichen gelesen werden: Wir Sportlerinnen definieren selbst, wofür wir stehen. Wir lassen uns nicht vereinnahmen, weder politisch noch medial. Wenn Sportlerinnen öffentlich Haltung zeigen, stellen sie die tradierten Spielregeln infrage. Sie fordern Respekt für ihre Leistung, nicht für ihre Inszenierbarkeit. Und sie erinnern daran, dass Gleichberechtigung im Sport mehr bedeutet als gleiche Wettbewerbsregeln. Sie betrifft auch Darstellung, Bezahlung und Anerkennung.
Der Sport als Spiegel der Gesellschaft
Sport ist nie unpolitisch. Er spiegelt gesellschaftliche Machtverhältnisse wider und kann sie zugleich verändern. Wenn Athletinnen sich weigern, Teil einer Inszenierung zu sein, die ihren Werten widerspricht, ist das kein Affront gegen Traditionen. Es ist ein Beitrag zur Debatte darüber, wie wir Frauen im öffentlichen Raum sehen und eine Einladung, dies zu überdenken. Die Entscheidung der Eishockeyspielerinnen steht damit exemplarisch für eine größere Bewegung: Weg von der Objektifizierung, hin zur Anerkennung sportlicher Exzellenz als das, was sie ist – unabhängig vom Geschlecht. Vielleicht ist genau das die eigentliche Botschaft dieses Moments: Respekt ist keine Einladung. Er ist eine Voraussetzung.
Ich persönlich spiele seit Mitte 2025 mit kurzer weiter Sporthose anstelle des Bikinis und nein – das liegt nicht an meinem Alter, meiner Zufriedenheit mit meinem Körper oder dem, das ich mich per se in einem Bikini unwohl fühlen würde. Auch ich bin damit aufgewachsen, im Bikini zu spielen und habe es lang als völlig normal empfunden, dass wir uns in derart knappen Outfits vor Zuschauer:innen so bewegen. Ich spiele jetzt bewusst mit kurzer Hose weil:
- Meine Leistung und nicht mein Körper im Fokus sein soll.
- Mehr Sponsoren Platz haben – sucht also den Fehler in obiger Argumentation hahaha
- Ich möchte als Vorbild für junge Spielerinnen eine Alternative aufzeigen. Sie sollten auch Spielerinnen sehen, die sich nicht so knapp als möglich anziehen, um wirklich bewusst selbst entscheiden zu können, worin sie nun tatsächlich freiwillig spielen möchten.
- Ich denke, dass „freiwillig“ knappe Outfits anzuziehen, aktuell dennoch oft eher unbewusst passiert, weil wir die Mädels in diesem Sport so sozialisiert haben. Hier sehe ich ein enormes Aufklärungspotential.
- Frauen haben die Tage und fühlen sich nicht an jedem Tag gleich wohl. Keine Bikinihose tragen zu müssen, ist meiner Meinung nach ein nichtdiskutierbares Frauenrecht!!!! Selbes gilt klarer Weise auch für Tops und Shirts, auch ganz ungeachtet dessen, wie man sich fühlt.
Wie seht ihr das Alles? Ich könnte ewig weiterschreiben…
Eure Michi

Foto: Nina Wiesmayr, Marchtrenk ABVL Austrian Finals 2025

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