Austrian Club Champion 2023 & 24

Missbrauch im Sport – warum Machtgefälle gefährlich sind

19.03.2026

Autorin: Lena Sanders: „Ich bin Beachvolleyballerin, studiere aktuell Politikwissenschaft in Innsbruck und das Thema rund um Übergriffe, besonders im Sport, ist für mich besonders akut und frustrierend.

Ein aktueller Fall aus Österreich

Diese Woche berichtete der ORF über einen niederösterreichischen Tischtennistrainer, der minderjährige Spielerinnen sexuell missbraucht haben soll. Hinweise darauf gab es schon 2024, als sich junge Spielerinnen bei einer Trainerin anvertrauten. Der Verband setzte den Mann zwar nicht mehr als Verbandstrainer ein – in seinem Verein durfte er aber offenbar noch lange weiter Nachwuchs betreuen. Besonders irritierend: Laut der Trainerin, die den Fall gemeldet hatte, sei ihr geraten worden, darüber nicht zu sprechen. Solche Geschichten zeigen, dass das Problem oft nicht nur einzelne Täter betrifft, sondern auch Strukturen im Sport.

Warum Machtgefälle ein Risiko sind

Ein zentraler Faktor ist das Machtgefälle im Sport. Trainer:innen entscheiden über Einsatzzeiten, Förderung oder Kaderplätze und begleiten junge Athlet:innen auf Turniere und Trainingslager. Dieses Vertrauen ist grundsätzlich etwas Positives – wird es missbraucht, entsteht jedoch eine Situation, in der Betroffene oft Angst haben, etwas zu sagen oder ihre sportliche Zukunft zu gefährden. Viele berichten später genau das: Sie wussten nicht, an wen sie sich wenden können.

Wenn Betroffene sprechen

Wie schwer es ist, darüber zu sprechen, zeigt der Fall der ehemaligen Skirennläuferin Nicola Werdenigg. Sie machte 2017 öffentlich, dass sie als junge Athletin sexualisierte Gewalt im Skisport erlebt hatte. Jahrzehntelang hatte sie geschwiegen. Als sie schließlich an die Öffentlichkeit ging, folgten viel Unterstützung – aber auch Kritik und Ablehnung. Ein typisches Muster: Solange Betroffene schweigen, scheint alles ruhig. Sobald jemand spricht, wird es unbequem.

Verantwortung im Verein

Die meisten Trainer:innen arbeiten verantwortungsvoll und mit viel Engagement mit jungen Menschen. Gerade deshalb braucht es klare Strukturen, die alle schützen: Ansprechpersonen für junge Spieler:innen, transparente Regeln bei Trainingslagern und Turnierreisen, Schulungen zum Thema Kinderschutz und vor allem eine Kultur des Zuhörens. Wenn Athlet:innen ein ungutes Gefühl äußern, sollte das immer ernst genommen werden. Wer selbst betroffen ist oder etwas beobachtet, kann sich anonym und vertraulich an unabhängige Stellen wenden. In Österreich bietet 100% Sport Beratung und Unterstützung für Athlet:innen, Trainer:innen und Vereine und leistet wichtige Aufklärungsarbeit im Bereich Kinderschutz im Sport.

Auch auf der großen Bühne ein Thema

Wie sensibel der Umgang mit sexualisierter Gewalt im Sport ist, zeigte zuletzt auch eine Debatte rund um die Olympischen Spiele 2024. Der niederländische Beachvolleyballspieler Steven van de Velde durfte trotz einer früheren Verurteilung, wegen der Vergewaltigung einer Minderjährigen, teilnehmen. Die Tat stand nicht im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit im Sport, was die Diskussion zusätzlich komplex machte und weltweit Kritik auslöste.

Blick auf den Beachvolleyball

Gerade deshalb lohnt sich auch ein Blick auf einzelne Sportarten – etwa den Beachvolleyball: kleine Trainingsgruppen, enge Betreuung und viele Turnierreisen. Gleichzeitig steht der Körper in dieser Sportart oft stärker im Fokus als in anderen Disziplinen. Gerade deshalb sind klare Grenzen, Vertrauen und offene Gespräche besonders wichtig. Ein sicherer Sport entsteht nicht dadurch, dass man über Probleme schweigt – sondern dadurch, dass man sie ernst nimmt und hinschaut.

Lg lena

https://kaernten.orf.at/stories/3345421/

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